Carlos Castaneda – Reisen für das Bewusstsein

Carlos Castaneda und sein indianischer Lehrer Don Juan gehören seit den 70er Jahren zu den bekanntesten und gleichzeitig geheimnisvollsten Figuren der esoterischen Literatur. Castaneda erhielt zeitweise sogar den Titel „Pate der New Age Bewegung“ und war eine inspirierende Quelle für viele prominente Künstler und Filmemacher.

Zu Beginn der 60er Jahre traf Carlos Castaneda, zu dieser Zeit noch Anthropologiestudent in Los Angeles, seinen Mentor und Lehrer Don Juan. Dieser erkannte in dem jungen Mann sofort seinen Lehrling und Nachfolger und unterwies in in den folgenden Jahren in der jahrhundertealten indianischen Zauberertradition seiner Vorfahren. Castaneda reiste so oft er konnte nach Mexico, wo der alte Indianer lebte, und war ein begieriger Schüler.

Seine Lehrjahre dokumentierte er mithilfe von Feldforschungsnotizen, aus denen dann die Bücher „Die Lehren des Don Juan“ und „Eine andere Wirklichkeit“ entstanden. Mit seinem dritten Buch „Reise nach Ixtlan“ erlangte er gleichzeitig seinen Doktortitel an der UCLA. Diese und alle folgenden Bücher wurden zu millionenfach verkauften Bestsellern und die Weisheiten des Don Juan prägten in den 70er Jahren eine ganze Generation von suchenden und alternativ gesinnten jungen Menschen.

In den folgenden Jahrzehnten publizierte Castaneda weiterhin Bücher, die allesamt die Lehrjahre unter Don Juan vertiefend behandeln. Er vermied nun systematisch die Öffentlichkeit, während gleichzeitig die geschilderten Erfahrungen in seinen Büchern immer unvorstellbarer und bizarrer wurden. In ihnen beschreibt er ausführlich wie Don Juan seine normale Weltsicht systematisch in Frage stellt, um ihm eine unvoreingenommene Wahrnehmung der Welt als purer Energie zu ermöglichen, das sogenannte Sehen. Mithilfe von Techniken wie dem Träumen, der Rekapitulation und dem Pirschen soll es so möglich werden, andere Welten, als die uns bekannte wahrzunehmen.

In den 90er Jahren ging Castaneda zum ersten Mal seit langem wieder offensiv an die Öffentlichkeit. Er begann Interviews und öffentliche Seminare zu geben. Außerdem veröffentlichten zwei Frauen, die angeblich wie er Lehrlinge von Don Juan gewesen waren, ihre eigenen Erfahrungsberichte über die Zeit mit dem indianischen Zauberer. Castaneda begann gemeinsam mit ihnen ein Bewegungssystem zu unterrichten, das er Tensegrity nannte, und das ebenfalls auf die Unterweisungen von Don Juan gegründet war.

Im Jahr 1998 starb Castaneda an einer Krebserkrankung. Inzwischen hatte sich in seiner Heimat Los Angeles ein regelrechter Kult um den Autor gebildet und einige seiner Gefährtinnen verschwanden nach seinem Tod spurlos. Man kann davon ausgehen, dass sehr vieles von dem, was er in seinen Büchern beschreibt frei erfunden ist. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass der indianische Lehrer Don Juan tatsächlich existierte, und das Werk Castanedas ist weiterhin eine faszinierende Reise durch Aspekte von Philosophie, Anthropologie, Psychologie, Bewusstsein und Esoterik, die selten so spannend und dicht erzählt wurden.

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